Lehrkräfte vermitteln Wissen, begleiten Lernprozesse und bereiten junge Menschen auf ihren weiteren schulischen und beruflichen Weg vor. Gleichzeitig übernehmen sie häufig noch eine weitere wichtige Rolle. Für viele Kinder und Jugendliche sind Lehrerinnen und Lehrer wichtige Vertrauenspersonen, besonders dann, wenn Probleme entstehen, über die sie mit anderen Menschen nur schwer sprechen können.
Konflikte in der Klasse, Ausgrenzung, Mobbing, familiäre Belastungen, Leistungsdruck oder Sorgen um die eigene Zukunft können Kinder und Jugendliche stark beschäftigen. Nicht immer ist sofort eine konkrete Lösung notwendig. Häufig ist zunächst entscheidend, dass jemand zuhört, die Situation ernst nimmt und dem Betroffenen das Gefühl vermittelt, mit seinen Sorgen nicht allein zu sein.
Zuhören schafft Vertrauen
Damit Schülerinnen und Schüler offen über Probleme sprechen, benötigen sie Vertrauen. Dieses entsteht meist nicht erst in dem Moment, in dem ein Konflikt auftritt. Vielmehr entwickelt es sich durch den alltäglichen Umgang miteinander.
Lehrkräfte, die aufmerksam zuhören, Fragen ernst nehmen und respektvoll reagieren, schaffen eine Grundlage dafür, dass Schüler sich auch in schwierigen Situationen an sie wenden können.
Dabei geht es nicht darum, auf jedes Problem unmittelbar eine Antwort zu haben. Schon die Bereitschaft zuzuhören kann für ein Kind oder einen Jugendlichen eine große Unterstützung darstellen. Wer das Gefühl bekommt, ernst genommen zu werden, spricht häufig offener über die eigene Situation.
Veränderungen im Verhalten früh wahrnehmen
Nicht jedes Kind spricht direkt darüber, wenn etwas nicht stimmt. Manche Schülerinnen und Schüler ziehen sich zurück, beteiligen sich weniger am Unterricht oder wirken plötzlich gereizt. Andere fehlen häufiger, verlieren ihre Motivation oder verschlechtern sich innerhalb kurzer Zeit schulisch.
Solche Veränderungen können unterschiedliche Ursachen haben. Sie sollten deshalb nicht vorschnell bewertet werden. Eine aufmerksame Lehrkraft kann jedoch wahrnehmen, dass sich etwas verändert hat, und vorsichtig das Gespräch suchen.
Eine einfache Frage nach dem Befinden kann bereits zeigen, dass Veränderungen bemerkt wurden. Wichtig ist dabei, keinen Druck aufzubauen. Manche Schüler benötigen Zeit, bevor sie bereit sind, über persönliche Schwierigkeiten zu sprechen.
Bei Mobbing und Ausgrenzung besonders aufmerksam sein
Gerade bei Mobbing oder sozialer Ausgrenzung fällt es Betroffenen häufig schwer, sich Hilfe zu holen. Sie haben möglicherweise Angst, dass sich die Situation verschlimmert oder dass andere Schüler erfahren, dass sie mit einer Lehrkraft gesprochen haben.
Deshalb ist ein sensibler Umgang besonders wichtig. Lehrkräfte sollten aufmerksam zuhören und zunächst versuchen, die Situation möglichst genau zu verstehen.
Dabei sollte vermieden werden, Erlebnisse herunterzuspielen. Aussagen wie „Das war bestimmt nicht so gemeint“ können dazu führen, dass sich Betroffene nicht ernst genommen fühlen. Auch wenn eine Situation aus Sicht eines Erwachsenen zunächst weniger schwerwiegend erscheint, kann sie für ein Kind oder einen Jugendlichen eine erhebliche Belastung darstellen.
Lehrkräfte müssen nicht jedes Problem allein lösen
Eine Vertrauensperson zu sein bedeutet nicht, sämtliche Schwierigkeiten selbst lösen zu müssen. Entscheidend ist vielmehr, zu erkennen, wann weitere Unterstützung notwendig ist.
Je nach Situation können beispielsweise Schulsozialarbeiter, Beratungsstellen, Eltern oder andere verantwortliche Personen einbezogen werden. Auch innerhalb der Schule kann eine Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften sinnvoll sein.
Dabei sollte die betroffene Person möglichst transparent darüber informiert werden, welche nächsten Schritte geplant sind. Vertrauen kann schnell verloren gehen, wenn persönliche Informationen ohne Erklärung weitergegeben werden.
Zuhören ist auch in der Berufsschule wichtig
Die Rolle der Lehrkraft als Vertrauensperson endet nicht mit der allgemeinen Schulzeit. Auch in Berufsschulen benötigen junge Menschen Ansprechpartner, an die sie sich bei Problemen wenden können.
Auszubildende befinden sich häufig in einer besonderen Lebensphase. Sie müssen gleichzeitig die Anforderungen der Berufsschule und des Ausbildungsbetriebes bewältigen. Hinzu kommen neue Verantwortlichkeiten, Leistungsdruck und die Herausforderung, sich in einem neuen beruflichen Umfeld zurechtzufinden.
Probleme können dabei sowohl in der Berufsschule als auch im Ausbildungsbetrieb entstehen. Ein Jugendlicher fühlt sich möglicherweise innerhalb der Klasse ausgeschlossen, hat Konflikte mit anderen Auszubildenden oder erlebt Schwierigkeiten im Unternehmen.
Berufsschullehrkräfte können in solchen Situationen wichtige Ansprechpartner sein. Sie erleben die Jugendlichen regelmäßig und können Veränderungen häufig früh erkennen.
Probleme im Ausbildungsbetrieb ernst nehmen
Nicht jede Schwierigkeit im Ausbildungsbetrieb wird gegenüber dem Ausbilder oder den Kollegen angesprochen. Gerade junge Menschen haben manchmal Sorge, als schwierig oder ungeeignet wahrgenommen zu werden.
Wenn ein Auszubildender einer Lehrkraft von Problemen im Betrieb berichtet, ist deshalb zunächst Zuhören gefragt. Es kann sich um Konflikte im Team, unangemessenen Umgang, fehlende Unterstützung oder Überforderung handeln.
Gemeinsam kann anschließend besprochen werden, welche Möglichkeiten bestehen. Abhängig von der Situation können Gespräche mit dem Ausbildungsbetrieb oder weitere Beratungsangebote sinnvoll sein.
Wichtig ist, den Jugendlichen in Entscheidungen einzubeziehen. So kann Unterstützung angeboten werden, ohne ihm das Gefühl zu vermitteln, dass andere vollständig die Kontrolle übernehmen.
Respektvolle Gespräche stärken junge Menschen
Gute Gespräche helfen nicht nur in akuten Problemsituationen. Sie können auch dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche lernen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse besser wahrzunehmen und auszudrücken.
Wenn eine Lehrkraft aufmerksam zuhört und respektvoll nachfragt, erlebt der Schüler, dass seine Sichtweise eine Bedeutung hat. Dies kann das Selbstvertrauen stärken und dazu beitragen, dass Probleme künftig früher angesprochen werden.
Gleichzeitig können Lehrkräfte durch ihre Kommunikation ein Vorbild sein. Kinder und Jugendliche erleben, wie Konflikte ruhig besprochen, unterschiedliche Meinungen akzeptiert und gemeinsame Lösungen gesucht werden können.
Zeit zum Zuhören kann einen großen Unterschied machen
Im Schulalltag fehlt häufig die Zeit für längere persönliche Gespräche. Unterricht, organisatorische Aufgaben und zahlreiche weitere Anforderungen bestimmen den Tagesablauf. Dennoch können schon kleine Signale der Aufmerksamkeit eine große Wirkung haben.
Ein kurzes Nachfragen, ein vereinbartes Gespräch nach dem Unterricht oder der Hinweis auf eine weitere Ansprechperson zeigen dem Schüler, dass seine Sorgen wahrgenommen werden.
Besonders für Kinder und Jugendliche, die sich mit ihren Problemen allein fühlen, kann eine vertrauensvolle Lehrkraft einen wichtigen Unterschied machen.
P-J GmbH Witten: Ratgeber für Schule, Ausbildung und Alltag
Die P-J GmbH Witten beschäftigt sich mit verschiedenen Herausforderungen, denen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im schulischen, privaten und beruflichen Alltag begegnen können. Themen wie Mobbing, Ausgrenzung, Kommunikation, Konfliktlösung, Jugendgewalt und ein respektvoller Umgang miteinander spielen dabei eine wichtige Rolle.
Die kostenlosen Ratgeber der P-J GmbH richten sich unter anderem an Eltern, Lehrkräfte, Schulen, Ausbildungsbetriebe und weitere Bezugspersonen. Sie sollen dabei unterstützen, schwierige Situationen frühzeitig wahrzunehmen und jungen Menschen Orientierung zu geben.
Gerade Lehrkräfte können durch Aufmerksamkeit und die Bereitschaft zuzuhören einen wertvollen Beitrag leisten. Denn manchmal beginnt wirksame Unterstützung nicht mit einer schnellen Lösung, sondern mit einem einfachen Gespräch und dem Gefühl, ernst genommen zu werden.
